F 13 - Start!

Ausgediente Militärflugzeuge, betrieben von vielen kleinen Verkehrsgesellschaften: Das ist 1919 der Luftverkehr in Deutschland. Transportiert werden hauptsächlich Post und Zeitungen. Nur besonders Wagemutige besteigen als Passagier ein Flugzeug. Eingepackt in Schal, Pelzhandschuhe, Pelzstiefel, wollenen Überanzug, Gesichtsmaske und Sturzhelm sitzen sie auf einem behelfsmäßig überdachten Beobachtersitz und ergeben sich ihrem Schicksal. Denn Luftfahrt ist nicht nur teuer und unwirtschaftlich, sie ist auch unsicher.

Da stellt Professor Hugo Junkers das erste Ganzmetallverkehrsflugzeug der Welt vor – die F 13. Sie gilt als Urmutter aller Verkehrsflugzeuge, ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug seiner Zeit und der Vorläufer der JU52. Mit ihr bestimmt erstmals in der Geschichte der Luftfahrt Wirtschaftlichkeit den Entwurf eines Flugzeugs: Sie ist sparsam im Verbrauch, sicher und bequem, wenig reparaturanfällig und langlebig. Und äußerst komfortabel: Die – beheizte! - Kabine ist mit zwei Sesseln und einer zweisitzigen Rückbank ausgestattet. Besondere Bekleidung ist damit nicht länger nötig.

Auch in punkto Sicherheit setzt die F 13 Maßstäbe: Die Junkers-Flugzeuge halten hohen Belastungen stand, sind witterungsbeständig und feuerfest. Mit ihnen werden sowohl Höhen- als auch Dauerflugrekorde aufgestellt. Und diese Rekorde bleiben nicht ohne Wirkung: Die F 13 wird weltweit eingesetzt, fliegt sowohl in Bolivien über Gebirgskämme von bis zu 6000 m als auch im Auftrag der amerikanischen Post. Dabei kann das Radfahrwerk bei Bedarf gegen ein Schwimmer- oder Schneekufengestell ausgetauscht werden.

Die solide Konstruktion aus dem Hause Junkers hält, was sie verspricht: 1933 stürzt in Kanada eine F 13 nach Baumberührung ab. Alle Insassen überleben den Unfall mit leichten Verletzungen. Die Kabine ist verhältnismäßig unversehrt. Die Schwimmerkufen werden Jahre später bei Trappern gefunden: Sie wurden zu Kanus umfunktioniert. Und auch der Pilotensitz geht nicht verloren: Er findet sich als Schreibtisch-Stuhl auf einen Melkschemel montiert in einer Blockhütte nahe der Unfallstelle wieder.